Immer wieder taucht dieses Thema auf und vielleicht sollte es einmal in einem Beitrag diskutiert und erörtert werden...
Gründe, die gegen den Freilauf sprechen:
1. Der Freilauf erhöht den Stress der Tiere und erhöhter Stress schwächt das Immunsystem und kann Krankheiten begünstigen. Stress kann hierbei durch das Rein- und Raussetzen, aber auch durch die immer wieder fremde Wohnung und der Anwesenheit von großen Prädatoren, sowie ungewohnten Bewegungen (Körperbewegung Halter, Fernseher, Haustiere etc.) entstehen.
2. Der Freilauf gefährdet die Gesundheit durch falsche Klimawerte:
a. zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann auf Dauer zu Häutungsproblemen führen,
b. zu niedrige Temperaturen können Lungenentzündung oder gar Nekrose begünstigen,
c. Zugluft oder kalte Luftwirbel auf dem Boden (selbst eine für Menschen anscheinend warme Wohnung kann am Boden wesentlich kälter sein). Diese Kälte kann wie bei b) auch zu Verdauungsproblemen führen!
3. In einem Terrarium ist eine Wasseragamengruppe meist eingespielt und jeder kennt seine Plätze und seine Stellung in der Rangordnung. Der zusätzliche „Platz“ führt immer wieder zu neuen Territorien und auch zu möglichen Revierkämpfen.
4. Erhöhte Fluchtgefahr! Nicht selten kommt es vor, dass Reptilien auf einmal nicht wiederzufinden sind. Ein kurzes Telefonat, Klingeln an der Tür, plötzlicher Besuch usw. können Momente schaffen, in denen die Tiere flüchten oder sich verstecken können. Ebenso (vergessene) offene Türen und Fenster. Wir hatten derartige Fälle schon hier im Forum…
5. Reptilien sind keine Kuscheltiere und es ist definitiv nicht cool, mit einem Reptil auf der Schulter oder auf dem Arm zu „posen“ – Trotz Gewöhnung an den Menschen kann eine letztendliche Scheu oder angeborene Vorsicht vor Prädatoren wie dem um einiges größeren Menschen nicht ausgeschlossen werden. Augen schließen – so sei erwähnt – ist bei Reptilien meist eine Schutzfunktion und nicht ein Ausdruck von Wohlbehagen!
6. Größeres Risiko von Scheibenspringen. Wasseragamen erkennen Scheiben nicht als Hindernis, aber in einem eingespielten Terrarium hat – wie gesagt – jeder seinen Platz und Scheibenspringen ist eher die Ausnahme. Durch das ständige Rausnehmen wird der zusätzliche Raum womöglich auch als Revier angesehen und die Tiere versuchen durch Scheibenspringen oder „Scheibenlaufen“ zu diesem zusätzlichen Territorium zu gelangen. Oft hört man dann die Ausrede: Aber das Tier kommt doch von alleine raus und rennt schon ungeduldig an der Scheibe rum. Ich denke, hier wird menschliches Verhalten falsch auf das Tier übertragen und etwas ins „Scheibenlaufen“ interpretiert, was nicht einem Wunsch der Agame entspricht.
7. Erhöhte Verletzungsgefahr! Schon im Terrarium ist es schnell passiert: Der Schwanz ist abgeknickt oder eine Kralle ist ab – Dieses Verletzungsrisiko erhöht sich immens beim Freilauf. Menschliche Wohnungen haben zu viele Einklemmmöglichkeiten, scharfe Kanten und Gegenstände, Stoffe und Teppiche in denen die Krallen sich verhaken können und zudem andere Faktoren wie heiße Lampen, Strom allgemein. Glatte Flächen erschweren die Fortbewegung und bei möglichen Fluchtversuchen wird Stress überproportional gesteigert. Die Belastung durch Hausstaub, Hausmilben und anderem sollte auch nicht unterschätzt werden.
8. Verletzung von Menschen! Die Krallen von Reptilien, sowie der Schwanz sind nicht zu unterschätzen und ein Ohrläppchen kann durchaus mal als Futter angesehen werden. Oder ein plötzlicher Schreckmoment führt zu einer Abwehrreaktion und ein schöner Kratzer zieht sich durchs Gesicht. Wenn der Mensch dann noch überreagiert fliegt das Reptil womöglich auch noch quer durch die Wohnung.
Dies sind nun einige Argumente gegen den Freilauf.
Kommen wir nun zu den oft angeführten Argumenten für den Freilauf, wobei ich mir direkt kritische Anmerkungen erlaubt habe
1. Die Tiere wollen selber raus, denn sie laufen an der Scheibe entlang und klettern direkt raus, sobald die Scheibe aufgeht!
In den meisten Fällen stimmen die Haltungsbedingungen wie Größe und Temperatur nicht und das Tier sucht nach den richtigen Plätzen, die ein Reptil zum Überleben benötigt (Wärme, Licht etc.).
Das Scheibenlaufen kann auch Fluchtverhalten vor Artgenossen sein und eine Herausnahme verzögert die Rangordnungskämpfe meist nicht nur, sondern sie verschlimmert die Lage durch späteres Einsetzen des flüchtenden Reptils in die beruhigte Gruppe.
2. Das Handling erleichtert den Tierarztbesuch und mindert Stress
Dies Argument trifft zwar teilweise zu, aber Handling heißt nicht, dass das Tier Freilauf haben muss, bzw. dass es in der Wohnung herumgetragen wird oder auf der Schulter des Halters sitzt. Handling ist meines Erachtens schon das Füttern per Pinzette und die Gewöhnung an die Anwesenheit von Menschen. Die tatsächliche Herausnahme für Tierarztbesuche ist im Normalfall so selten, dass ein Reptil deshalb nicht unweigerlich handzahm sein muss.
3. Der Freilauf sorgt für mehr Bewegungsmöglichkeiten
Dieses Argument wird auch gerne genommen! Warum sollte man mehr Bewegungsmöglichkeiten schaffen, wenn das Terrarium groß genug ist?
4. Das Tier freut sich über Freilauf und rennt fröhlich herum
Hierzu fällt mir meist gar nix mehr ein. Aufgrund welcher ethologischer Vergleiche und Verhaltensdeutung kommt ein gewöhnlicher Halter zu solchen Rückschlüssen? Einige Verhaltensweisen von Reptilien sind durchaus bekannt, aber ein vollständiges Ethogramm ist sicherlich keinem gewöhnlichen Halter bekannt, so dass Unterschiede zum normalen Verhalten, Erscheinungsbild und artspezifischen Merkmalen beim Freilauf sicherlich nicht erkannt werden und „fröhliches Rumgerenne“ auch genauso gut Panik und Flucht sein können.
All die oben genannten Argumente pro und contra wurden von mir hier im Forum gesucht, gesammelt, ergänzt und formuliert. Eine fachliche und sachliche Diskussion ist erwünscht! Ich bin lernfähig und wissbegierig
Auffordernde Grüße
Cliff






und Du weißt nicht wie Du diese einfügen kannst? Eine Beschreibung zum Einstellen der Daten ist 

